Archiv für ‘Quecksilberbergbau in Obermoschel’


veröffentlicht: 10. 02. 2009

Geschichte des Quecksilberbergbaues

Die Quecksilberwerke von Moschel im Landsberg und Selberg brachten zeitweise einen gewissen Reichtum in die Stadt. Wann dieser Bergbau begann, ist heute noch nicht genau belegt. Die früheste Erwähnung des Bergbaus um Obermoschel ist die Verleihung eines Bergbaufeldes auf dem Selberg an Graf Friedrich von Veldenz und den Juden Salmann am 06.Juni 1429 von dem Ritter von Löwenstein. Mit dem Tod des Grafen Friedrich von Veldenz 1444 endeten vorerst die tastenden Versuche zur wirtschaftlichen Ausbeutung aus Teilen des Selberges und des Landsbergs. Doch sie reizten allein durch ihre Existenz zu neuen Versuchen. Di8e Epoche von Mittelalter zur Neuzeit loeß die Geldwirtschaft anstelle der dominierenden Naturalwirtschaft entstehen.
Durch den Bergbau konnte das Geld gewonnen werden.
Die Grafen von Veldenz scheinen die Zeichen der Neuen Zeit erkannt zu haben. Sie ließen sich schon am 18.Juli 1431 von Kaiser Sigismund das Münzlegat verleihen. Aufgrund dieser Verleihung konnten sie in der Grafschaft Veldenz und später im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken das Münzprägen ausüben.

1470 stieg der Bedarf an Quecksilber enorm. Etwa um 1440 hatte man ein sehr viel ertragreicheres Verfahren entwickelt, bei dem man mit Hilfe des Quecksilbers die Ausbeute an Silber- und Eisenerz um ein vielfaches steigern konnte. Das sogenannte "Saigerverfahren", das heute noch vielfach zum Goldschmelzen verwendet wird, verlangt nach größeren Mengen Quecksilber.

Das Herzogtum war nun in einer grandiosen Lage. Neben dem Ort Almaden in Spanien gab es in Mitteleuropa noch ein Revier von Rang, und das lag in der Nordpfalz, in Obermoschel. Nun wurde die Wirtschaftsförderung im Bergbau kräftig voran getrieben. Die Stadt Obermoschel war Ende des 15. Jahrhunderts ein bevorzugter Standort für wirtschaftliche Förderung durch die Zweibrücker Herzöge. 1488 wurde der Stadt gestattet jeweils am 14. September einen Jahrmarkt halten zu dürfen (dieser wurde sehr viel später, auf das zweite Augustwochenende verlegt).

Das 16. Jahrhundert brachte viele Auf- und Abbewegungen im Bergbau von Obermoschel. Im 17. Jahrhundert mit dem 30jährigen Krieg kam er fast ganz zum Erliegen. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts sollte wieder unter staatlicher Regie geschürft werden, so dass man wieder von einer weiteren größeren Abbauperiode sprechen kann.

Die Stadt Obermoschel zeigte Reichtum, Macht und Selbstbewusstsein, als man zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein repräsentatives Rathaus mit einer Markthalle im Erdgeschoss baute, Der Reichtum der Stadt und ihrer Bürger zeigt sich auch im Schuck´schen Haus, das 1583 der langjährige Stadtschreiber Jörg Scheffler für seinen Sophn Nikolaus bauen ließ. Die zwei berühmten geschnitzten Köpfe am Haus zeigen wohl Bergoffiziere in ihrer Bergmannstracht.

Anfang des 19. Jahrhunderts konnten im Bergbau noch gute Erträge erwirtschaftet werden. Doch der Quecksilbergehalt sank rapide, worauf sich in den folgenden Jahrzenten ein ertragreicher Bergbau nicht mehr lohnte. 1866 wurden die Gruben endgültig geschlossen.

Von 1935 bis 1943, im Nationalsozialistischen Deutschland, wurde der Bergbau in Obermoschel nochmals forciert und betrieben.
Heute befindet sich am Landsberg auf dem Weg zur Moschellandsburg ein interessanter geologischer Lehrpfad. Einige Stolleneingänge sind dort noch vorhanden und sichtbar.